ESCHATON

Isolated Intelligence (CD 2012)


Was ist Stephen Hawking auf einem Black-Metal-Konzert? Richtig, eine "Isolated Intelligence"! Nun gut, schlechte Kalauer beiseite und ein bisschen mehr Ernsthaftigkeit: Immerhin geht es um das Comeback der österreichischen Prügeltruppe Eschaton, welche nach acht Jahren mal wieder mit einer Vollzeitscheibe aufwartet. Zwischenzeitlich gab es ja bereits im Jahre 2010 mit der Demo "An Instrument Of Darkness" voll auf die Glocke und satte 8,5 Punkte auf den hiesigen Seiten. Und scheinbar hat man diese zwei Jahre dazu genutzt, das Fleisch an die Luft zu hängen, denn der Gitarrensound auf "Isolated Intelligence" kommt doch deutlich trockener daher, als man es noch von der Demo gewohnt war. Nachvollziehbar ist diese Soundänderung durchaus: Eschaton spielen auch im Jahre 2012 immer noch eine sehr technische und flotte Variante des Black Metals, die mit viel Death Metal angerührt und mit ein wenig Thrash Metal verfeinert wird - da einen deutlich knackigeren und präziseren Klang aufzufahren, klingt zunächst nicht völlig unplausibel. Aber leider auch nur zunächst, denn auf längere Sicht drängt sich der Eindruck auf, dass der trockene Sound auch dafür sorgt, dass den Sechssaitern gerade in den tiefenlastigeren Bereichen zu schnell der Saft abgedreht wird. Entlastung von der Bassfront ist dabei ebenfalls nicht in Sicht, denn aus unerfindlichen Gründen wurde der Tieftöner, der auf der erwähnten Demo noch ordentlich wummerte, deutlich im Mix runtergefahren und fällt daher kaum noch auf. Und um das Trio infernale noch komplett zu machen, hatte das Schlagwerk auf "An Instrument Of Darkness" irgendwie auch noch einen Ticken mehr Schmackes.
Das ist insofern schade, als dass Eschaton über die volle Distanz ebenfalls mehr als ordentliche Riffs aus dem Hut zaubern, die mit ihrer progressiven Technikalität und erdrückenden Brachialität ein ums andere Mal den richtigen Nerv treffen - angereichert mit einem Schuss Dark Fortress zu "Eidolon"-Zeiten wird zwischen üblem Geknüppel und epischen Doom-Parts so ziemlich alles abgedeckt, was man sich vorstellen kann. Und auch wenn das Songwriting nicht immer zwingend und frei von Längen ist, so ist es dennoch bemerkenswert, wie die Truppe es schafft, das Tempo zu variieren und Dynamik in ihre Stücke zu bringen. Erfreulicherweise versuchen sich die Österreicher zwischendurch auch mal an Klangspielereien, die man auf einer Black-Metal-Platte nicht unbedingt vermuten würde und die das Geschehen angenehm auflockern - vor allem der jam-lastige Abschnitt in der zweiten Hälfte von "The Black Tunnel" prägt sich diesbezüglich ein. Schön auch, dass die Drums das zügige Tempo der Kompositionen vorbildlich tragen und zudem per Doublebass wohltuende Akzente setzen. In eine ähnliche Kerbe schlägt der vereinzelt eingesetzten Klargesang, welcher zum Beispiel in Form einer Gastsängerin den Refrain von "Current Void" veredelt.
Momente wie diese könnten einen zwar in Zufriedenheit wiegen, jedoch setzt sich mit der Zeit unweigerlich die Erkenntnis durch, dass es einfach an Kleinigkeiten hapert. So mag man Eschaton sicherlich zugestehen, dass sie technisch sehr amtliche und anspruchsvolle Riffs hinlegen, die dabei immer wieder beißende Dissonanz mit krachenden Tieftönen konterkarieren. Dummerweise haben sich hier und da allerdings auch einige Lückenfüller-Riffs eingeschlichen, die zu sehr nach Schema F konstruiert wirken. Hinzu kommt der fade Beigeschmack, dass es auch dank des tendenziell zu trocken und farblos geratenen Sounds bisweilen an Atmosphäre und Tiefe mangelt. Selbst wenn wie in "Current Void" drei Gitarrenspuren übereinander rödeln, bleibt irgendwie das Gefühl, dass das Gebotene etwas zu eindimensional daherkommt. Vermeidbar wäre dies allemal gewesen: Das Klanggewand der Demo mit seiner rüden Underground-Färbung ließ diesen flachbrüstigen Eindruck zu keinem Zeitpunkt aufkommen - vermutlich auch deshalb, weil die Gitarren dort schlichtweg mehr Raum zur Entfaltung hatten. Tja, wenn ich einen Wunschzettel über die Grenze schicken dürfte, dann würde auf dem vermutlich "'Isolated Intelligence' mit dem 'An Instrument Of Darkness'-Sound!" stehen. Aber man muss es nehmen, wie es kommt und deswegen bleibt mir nur zu konstatieren, dass "Isolated Intelligence" definitiv eine gute Platte ist, die aber etwas unter ihren Möglichkeiten bleibt und immer wieder daran erinnert, dass sie noch besser hätte sein können.

7.5 /10

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Nachtwall
04.07.2012