SPECTRAL LORE

Sentinel (CD 2012)


Spectral Lore hatten wir das letzte Mal anlässlich der Veröffentlichung von "II" am Wickel. Das ist fast fünf Jahre her, und rausgebracht hat der Grieche in der Zwischenzeit fast nichts. Das ist erstens löblich und lässt zweitens die Erwartungen etwas über Null steigen, denn der zweite Streich war seinerzeit gar nicht übel, und genug Zeit hat man ja auch gehabt, um es jetzt ordentlich krachen zu lassen.
Stilistisch ist auf den ersten Hör alles beim Alten geblieben: spacig, kalt, ambient, Darkspace - so ungefähr die Tags zu "Sentinel". In der Praxis bedeutet das Endlosstücke mit (mitunter etwas zu aufdringlich) hämmernden Rhythmen aus dem Rechner, schrill sing-sägenden Gitarren und ein hörbares Bemühen um kosmische Atmosphäre. Zumindest fast, denn anno 2012 ist Ayloss mit dem Status als Gyros-Darkspace nicht mehr hundertprozentig glücklich und versucht sich deshalb an einigen Ausbrüchen - was sich natürlich als eher nicht so pralle Idee erweist. Da geht's dann stellenweise gar rockig zur Sache, was man sicherlich als Vielfalt loben könnte, für mich jedoch in erster Linie Stilbruch und Stimmungskiller bedeutet. Vor lauter Wille zu mehr Spectral Lore und weniger Schweiz ist "Sentinel" weder das eine noch das andere geworden, sondern verliert auf seiner Sinnsuche immer wieder den roten Faden.
Natürlich: was Ayloss anno 2007 konnte, das klingt auch heuer noch zeimlich gut. Schrille Gitarren sind immer geil, und das Kerngeschäft läuft nach wie vor ziemlich rund: Da gibt's schöne Melodien und intergalaktisch tiefe Temperaturen, und etwa "The Coming of Age" ist ein fetziges Stück BM. Doch nach "II" und fünf Jahren Wartezeit ist das Ganze dann doch eine mittelschwere Enttäuschung. Auch deshalb, weil mittlerweile Borgne auf einem Niveau angelangt sind, dass man selbst aufs Original beinahe verzichten kann. Von Spectral Lore ganz zu schweigen.

6 /10

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Erik
10.09.2012