PANTHEION

The Faustian Disciplines (Promo 2011/ CD 2012


Anmerkung: Aus aktuellem Anlass an dieser Stelle nochmal unser Senf zum Panteion-Debüt, das man jetzt u.a. bei der Band kaufen kann.


In Zeiten, in denen man sich vor Postrock nicht mehr retten kann und sich im Netz von Leuten belehren lassen muss, die BM in erster Linie aus dem "Lords of Chaos" kennen; in solchen Zeiten ist es schön, mal etwas zu hören, das unzeitgemäss, ja beinahe altmodisch klingt. So etwas wie melodischen Black Metal mit ordentlich Keyboards etwa. So etwas wie "The Faustian Disciplines" von Pantheion.
Pantheion wer? Nun, die Band an sich ist eigentlich schon ziemlich alt, nur hat man es eben nicht zu grossartiger Bekanntheit gebracht, bevor das Projekt Anfang des Jahrtausends auf Eis gelegt wurde, um es mit Negator richtig krachen zu lassen. Nachdem diese Periode mit "Die Eisernen Verse" das Ende der kreativen Fahnenstange erreicht hatte und Negator de facto begraben wurden (die heutige Inkarnation kann man durchaus als Zombie betrachten, wie auch das aktuelle Album "Panzer Metal" nahelegt), besann man sich auf Panteion, begann, altes Material aufzubereiten, schreib auch ein bisschen was Neues, und ehe man sich's versah, waren über 50 Minuten Musik beisammen, die man jetzt in Form von "The Faustian Disciplines" unters Volk bringen möchte.
Klingen tut das Ganze wie eine emperorisierte Version von Negator, um es ganz salopp zu formulieren. Man hört also durchaus, dass hier die Hamburger am Werke sind. Dieses Feuer, diese Rasanz und Dynamik habe ich schon auf "Die Eisernen Verse" sehr geschätzt, vom latent schwedisch-melodischen Einschlag ganz zu schweigen. Allerdings geht es jetzt etwas variabler zu, es gibt Verschnaufpausen und mitunter auch ziemlich verspielte Gitarren. Wichtiger und prägnanter ist aber das sinfonische Element, welches Negator-Brutalität zu Pantheion-Majestät werden lässt. So mächtig und erhaben waren zuletzt die Kanadier Veneficium mit "De Occulta Philosophia", und diesseits der Jahrtausendwende dürften ansonsten nur Sear Bliss in Regionen ähnlich sinfonischer Grösse vorgestossen sein. Doch bevor jemand diese Vergleiche zu wörtlich nimmt, sei betont, dass bei Pantheion die Gitarren eine deutlich wichtigere Rolle spielen. Und das ist auch gut so.
Wenn meine einleitenden Worte den Anschein erweckt haben sollten, bei Pantheion handle es sich um ein in erster Linie nostalgisches Projekt, so soll dies an dieser Stelle korrigiert werden. Auch wenn der musikalische Ansatz durchaus aus den Mittneunzigern übernommen wurde, so ist die Interpretation doch absolut zeitgemäss. Ebenso vermittelt die Biografie "die Negator-Jungs nehmen sich alte Pantheion-Songs vor" einen völlig falschen Eindruck vom Charakter des vorliegenden Albums. Für meinen Geschmack ist "The Faustian Disciplines" genau das Album, das Negator nach "Die Eisernen Verse" hätten machen können, ja müssen. Schliesslich war da in Sachen Gerödel alles gesagt worden und ein müder Aufguss wie "Panzer Metal" überflüssig.
Ich kann aber gut verstehen, dass man einen solchen kreativen Befreiungsschlag unter dem Namen Negator nicht wagen wollte. Dafür war das "Image" der Truppe vielleicht schon zu festgefahren, und ob die "Fangemeinde" Keyboards einfach so geschluckt hätte, wage ich ebenfalls zu bezweifeln. Nein, auch wenn musikalisch die Vergangenheit der Musiker offensichtlich ist, so hat das Material unter dem Namen Pantheion zweifellos grössere Chancen, sein Publikum zu finden. Und ein Publikum hat dieses grossartige Stück BM auf jeden Fall verdient. Fehlt nur noch ein Label, das nicht auf ein "Post" in der Stilangabe versessen ist.

9 /10

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Erik
01.06.2011