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Die Gitarren? Derartig tief gestimmt, dass man schon fast danach graben muss. Die Stimme? Knurrt wie ein Priester aus der Unterwelt ihre bleiernen Predigten. Und das Schlagzeug? Sorgt zwischen wüsten Knüppelparts und zentnerschweren Doomabschnitten vor allem für Chaos. Hab' ich noch was vergessen? Ach ja: Die Liedtitel und Lyrics bedienen sich reichlich sonderbaren Wortschatzes und die Herrschaften, die all das fabriziert haben, pflegen es, sich in mysteriösen Kutten ablichten zu lassen. "Klarer Fall", mag jetzt manch einer denken - "hier gehts um die neue Portal-Scheibe." Ja, eben nicht! Vielmehr soll die Rede sein von "Novit Enim Dominus Qui Sunt Eius", dem zweiten Auswurf der Engländer Abyssal. Aber zugegeben: Man muss nicht jedes Portal-Stück rückwärts summen können, um festzustellen, dass das vorliegende Werk eine gehörige Portion Inspiration aus Down Under bezogen hat.
Das muss der Band jedoch nicht unbedingt negativ ausgelegt werden, denn das wüste Gebräu aus Death, Black und Doom Metal, das Abyssal gemixt haben, funktioniert auch als eigenständiges Werk. Und das liegt nicht zuletzt daran, dass die Kapuzenmänner es geschafft haben, einen unheimlich drückenden Sound zu produzieren - als ob es einem schwarzes Pech durch die Venen pressen würde. Als "Druckmittel" dienen hierbei vor allem die gewaltigen Gitarrenwände, die beispielsweise dem finalen Akt von "The Tongue of the Demagogue" eine geradezu niederwalzende Düsternis verpassen.
Als angenehmen Hörgenuss kann man es also wahrlich nicht bezeichnen, was hier in knapp einer Stunde passiert. "Novit Enim Dominus Qui Sunt Eius" braucht dahingehend seine Zeit, bis es zündet, denn in den ersten Durchläufen erschlägt es den Hörer geradezu mit seinen chaotischen und arhythmischen Songstrukturen. Immer dann, wenn man glaubt zu wissen, wo der Weg hinführt, haut einem die Scheibe wieder irgendeinen irrwitzigen Gitarrenlauf oder Schlagzeugtakt um die Ohren. Überhaupt, das Schlagzeug: Respekt an den Mann hinter der Kesselbude für sein außerordentliches Taktgefühl. Selbst bei den ausladensten und eigenwilligsten Riffs trifft jeder Schlag noch präzise dahin, wo man ihn nicht erwartet.
"Novit Enim Dominus Qui Sunt Eius" ist in diesem Sinne wie ein tiefschwarzer reißender Fluss, der einen immer wieder zu ertränken droht. Ein "normaler" Blastbeat wird da fast schon ungewollt zu einem bekannten Element, an dem man sich für einen Moment festhalten kann, bevor die schwarze Masse wieder überhand nimmt. Und das muss man in der Tat abkönnen, denn bei all dem Chaos und Irrsinn ist es naturgemäß schwierig, einen Spannungsaufbau in den Kompositionen zu verzeichnen. Dass sie genau den aber eigentlich beherrschen, beweisen die Briten beispielsweise im fulminanten Schlussdrittel von "As Paupers Safeguard Magnates", das unheilvoll drohende Saitenläufe auffährt und mit streicherähnlichen Tönen fast schon epische Maße erreicht.
Die Mischung aus rasenden Black-Metal-Attacken, wuchtigen Death-Metal-Riffs und dröhnend dissonanten Doom-Metal-Akkorden ist es auch, die "Novit Enim Dominus Qui Sunt Eius" noch unberechenbarer macht, als es durch die allgegenwärtige Arhythmik sowieso schon ist. Ein wenig mehr Geradlinigkeit und vor allem bessere Spannungsbögen hätten die Intensität des Liedgutes in meinen Augen jedoch noch um einiges steigern können. Wüstes Geprügel und absolutes Chaos hin oder her - ein gewisses Gefühl für den Liedaufbau bekommen zu können, erwarte ich mit der Zeit dann doch. Zumal die Momente, in denen Abyssal einigermaßen geradeheraus agieren, meiner Meinung nach auch die besten sind. Aber hier trennt sich in Sachen potenzielle Hörerschaft vermutlich die Spreu vom Weizen, da es geradezu offensichtlich ist, dass dieser Mangel an Vorhersehbarkeit auch genau so intendiert ist. Denn den Hörer mitnehmen - das ist mitunter das Letzte, was Abyssal wollen. Vielmehr geben sie ihm das Gefühl, ein lästiger Klotz am Bein zu sein, den es abzuschütteln gilt. Aber - und hier sind wir beim springenden Punkt - genau das macht wiederum die abstoßende Faszination dieses Albums aus. |
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