EINSAMTOD

Einsamtod (CD/LP 2012/13)


Wütender Stromtrommler, sägrauschende Gitarrenwände, verhalltes Geschrei, das alles schön matschig aufgenommen - Zutaten, aus denen schon seit zwanzig Jahren in erster Linie Sachen entstehen, die man nicht kennen muss. Und im Prinzip muss man auch Einsamtod nicht unbedingt kennen, denn sensationell einzigartig ist das selbstbetitelte Debüt nicht unbedingt.
Verpassen würde man dann aber Einiges, hat die Truppe doch - altbekannte Zutaten her oder hin - ein gutes Gespür für kompetent gemachten Black Metal. Ohne Vorwarnug geht es mit "Freezing End" gleich richtig los: das 220V-Schlagzeug hämmert (stört aber nicht), die Saitenfraktion winterstürmt eindrucksvoll, und der Krächzer krächzt so böse, als hätte ihm seine Mutter Facebook-Verbot erteilt. Und recht schnell merkt man auch, dass sich Einsamtod nicht auf drei abgenudelte Stilmittel beschränken. So gibt es viel verträumtes semiakustisches Geklimper, ein bisschen (höchstwahrscheinlich synthetische) Flöte, die entfernt an Lux Occulta erinnert, und sogar beschwingte Rhythmen in der Tradition der legendären Emperor-Mini. Vor allem aber haben die Gitarren viel zu bieten. Immer wieder erheben sich klagende Leadmelodien über das Inferno und auch sonst sind die inbrünstig trompetenden Sechsaiter ein gutes Stück vom gängigen Norsecore entfernt und sorgen ganz ohne Elektronik mitunter für beinahe sinfonischen Charakter.
Grund zur Klage bietet eigentlich nur "Journey Through a Land Forlorn", komplett synthetisch, mit fast zehn Minuten Spielzeit ungefähr neun zu lang und absolute Stimmungsbremse. Ansonsten haben die Slowaken ein recht ansprechendes Album zusammengebastelt. In gewisser Weise ist die Scheibe nostalgisch, ohne allerdings irgendwo zu auffällig abzukupfern. Von neumodernen Elementen bleibt man ebenso sehr verschont wie von allzu gewaltsamen Old-School-Anbiederungen. Bodenständig ist "Einsamtod", hat dabei viel Charakter zu bieten und wurde hörbar mit Herzblut erschaffen und für die Nachwelt dokumentiert.

8 /10

Eternity Records

Einsamtod bei Youtube

 

Erik
26.09.2013